Kabotagebericht der EU-Kommission

Liberalisierung der Kabotage führt zu Preisverfall

„Personalkosten machen circa 40 Prozent der Fahrzeugeinsatzkosten aus. Somit ist dann der Faktor Mensch leider immer noch eines der wenigen Einsparpotenziale im internationalen Wettbewerb“, erläutert Marcel Hergarten, Geschäftsführer der B. Hergarten Stahlspedition GmbH. Damit teilt Hergarten die Sorge des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e. V. Dieser befindet die „Fiskal- und Sozialgefälle innerhalb der EU für weitere Lockerungen der Kabotateregelungen im Straßengütertransport“ für „zu groß“. So herrschen innerhalb der EU Belastungsdifferenzen von bis zu 23 Cent pro Fahrzeugkilometer. Öffnet sich der Markt für osteuropäische Dienstleister, sind Unternehmen aus den alten Mitgliedsstaaten gezwungen diese Unterschiede preislich auszugleichen. Das ebnet den Weg für Preis- und Lohndumping und verschärft den bestehenden Mangel an qualifizierten Fahrern. „Dies widerspricht deutlich der Notwendigkeit einen vergleichsweise harten Beruf mit vielen Widrigkeiten wie Stress, ein fehlendes Familienleben und 12-Stundenschichten angemessen zu entlohnen“, befindet Hergarten. „Wer wird sich unter solchen Voraussetzungen in Zukunft überhaupt noch für den Beruf des Kraftfahrers entscheiden?“ Die Branche leidet bereits seit Jahren unter dem Fachkräftemangel – gesucht werden zunehmend qualifizierte Berufskraftfahrer und Speditionskaufleute. Darüber hinaus befürchten Branchenkenner, dass sich der Preisverfall negativ auf die Qualität von Transporten auswirken könne. Fehlt es an qualifizierten Fahrern, leidet beispielsweise die Ladungssicherung.

Dem „Bericht über die Verwirklichung des Binnenmarkts für den Güterverkehr“ zufolge, sind 25 Prozent aller LKW leer unterwegs. Um diese Zahl zu verringern, möchte EU-Kommissar für Verkehr, Siim Kallas, die Kabotageregelungen lockern.