Berufskraftfahrer: Ein Job mit Zukunft

Die Hergarten Gruppe vergibt wieder Ausbildungsplätze am Standort Neuss

Doch trotz hervorragender Job-Aussichten in einem Familienunternehmen, das bereits seit 1902 am Markt überzeugt, erweist sich insbesondere die Suche nach interessierten Auszubildenden zum Berufskraftfahrer/-fahrerin jedes Jahr wieder als schwierig. Der Grund: Der Job als Berufskraftfahrer kämpft mit einem schlechten Image. „Völlig zu Unrecht“, sagt Herbert Radke, Ausbildungsleiter der Hergarten Gruppe, und lädt alle interessierten Schüler ein, sich selbst ein Bild zu machen – z. B. im Rahmen eines ein- bis dreiwöchigen Praktikums.

 

Den ganzen Tag mit geballter PS-Ladung auf gut ausgebauten Straßen der Sonne entgegen, dazu den Lieblingssong im Ohr und das Gefühl beinahe grenzenloser Freiheit genießen? Herbert Radke weiß: Das ist in den Köpfen der Deutschen längst vergangene, amerikanisch angehauchte Trucker-Romantik – leider. „Hierzulande verbindet man mit dem Job als Berufskraftfahrer inzwischen eher eintönige Fahrerei, familienunfreundliche Arbeitszeiten und unsichere, unruhige Nächte an stark frequentierten Autobahnraststätten“, berichtet Radke. Mit der Realität habe das allerdings nicht zwangsweise etwas zu tun. Zumindest wenn man seine berufliche Laufbahn als Berufskraftfahrer bei der Hergarten Gruppe startet, die in Deutschland über insgesamt sieben Niederlassungen von Nord nach Süd und einer Lagerfläche von mehr als 40.000 Quadratmeter verfügt. „Wir realisieren nur innerdeutsche Nah- und Fernverkehre“, erklärt Radke. „Im Nahverkehr betreuen unsere Fahrer in der Regel vier bis fünf feste Kunden. Und selbst im Fernverkehr verbringen sie dank unseres engmaschigen Transportnetzes durchschnittlich nur eine Nacht unterwegs und sind am nächsten Tag wieder bei ihren Familien. Nach einer Einarbeitungsphase sprechen wir mit ihnen darüber, in welchem Bereich sie sich selber sehen und wo aus unserer Sicht ihre Stärken liegen.“ Für die Hergarten-Azubis beginnt diese Einarbeitung bereits im zweiten Jahr ihrer Ausbildung, denn ab dann dürfen sie erfahrene Fahrer auf ihren Touren begleiten.

 

Viel mehr als nur Fahrerei

Doch wer jetzt glaubt, dass sich in der Ausbildung alles nur rund um das Brummi-Steuer dreht, täuscht sich gewaltig. „Die meisten denken, dass man in der Ausbildung zum Berufskraftfahrer nur lernt, wie man Güter mit dem LKW von A nach B bringt. Fast niemandem ist klar, wie vielseitig die Ausbildung und der spätere Job tatsächlich sind“, so Radke. Zum Job des Berufskraftfahrers gehört z. B. auch die gesamte Papierabfertigung für die Lagerabläufe, das Be- und Entladen der LKW, die Ladungssicherung, die Tourenplanung sowie die Wartung und Pflege der LKW. 180 moderne Fahrzeuge umfasst die Hergarten-Flotte, die ebenso wie die gesamte Lagertechnik speziell für den Transport von Stahlprodukten optimiert ist. „Neben den Standardausbildungsinhalten erfahren unsere Azubis also auch noch eine Menge über den Werkstoff Stahl und das Geschäft unserer Kunden, der Stahlindustrie“, ergänzt der Ausbildungsleiter.  

Dementsprechend intensiv lernen sie im ersten Jahr das Material kennen und befassen sich parallel zum Erwerb des Führerscheins mit der Materiallagerung und der Wartung der Flotte. Dazu gehört auch ein dreimonatiges Praktikum in einer LKW-Werkstatt, mit der Hergarten seit Jahren kooperiert und die sich nicht weit vom Neusser Standort des Logistikdienstleisters befindet.

 

Hineinschnuppern erwünscht

Ob in den potenziellen Neusser Azubis bereits eine Leidenschaft fürs Touren und für professionelle Logistik schlummert, können sie selbst in einem Praktikum vor der Ausbildung oder beim Berufsfelderkundungstag für die 7. und 8. Klassen herausfinden. Um auf die Vielseitigkeit des Berufs aufmerksam zu machen, kooperiert das Unternehmen bereits seit einigen Jahren mit den Neusser Schulen. „Insbesondere das Praktikum bietet auch uns eine tolle Gelegenheit zu schauen, wer zukünftig in unser Team passen könnte. Überhaupt ist uns die Teamfähigkeit unserer Auszubildenden sehr wichtig. Unsere Leute sollen mit beiden Beinen fest im Leben stehen und einen Haupt- oder Realschulabschluss haben“, erläutert Radke die Anforderungen an den Nachwuchs.

 

Diesen erwartet nach Abschluss der Ausbildung bei Hergarten ein zukunftssicherer Job. Statistiken des statistischen Bundesamts zeigen, dass der über die Straße abgewickelte Güterverkehr seit Jahren kontinuierlich steigt. 2014 erfolgten demnach 70,8% der deutschen Gütertransporte über die Straße. Auch das Portal statista belegt dieses kontinuierliche Wachstum: Erbrachten LKW in den 1980er Jahren noch eine Fahrleistung von rund 33 Milliarden km, waren es 2016 beeindruckende 71 Milliarden km. „Und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht“, so Herbert Radke. Er verweist zugleich auf die spannenden Herausforderungen, die vor dem Full-Service-Logistikdienstleister liegen. Beispielsweise die zunehmende Digitalisierung der Prozesse. „Hier können wir junge, frische Köpfe immer gut gebrauchen.“